„Stolperfallen vermeiden!“

13.02.2017

[Memmingen] Mit zunehmendem Alter steigt das Sturzrisiko und damit die Gefahr von Knochenbrüchen. Wie man Stürzen vorbeugen und die Qualität des Knochens verbessern kann, erklärten Spezialisten des Klinikum Memmingen und der hiesigen Praxis ORTHOPAEDICUMM bei einer Informationsveranstaltung.

Die beste Prophylaxe: „Das eigene Sturzrisiko erkennen!“, betonte Oberärztin Frauke Bikker, Leiterin der Geriatrie (Altersmedizin) am Klinikum Memmingen. „39 Prozent der zu Hause lebenden über 65-Jährigen stürzen einmal im Jahr.“ Bei den im Pflegheim Lebenden seien es sogar 50 Prozent. „Rund fünf Prozent der Gestürzten brechen sich etwas – häufig den Unterarm oder den Oberschenkel.“ Dabei würde nur ein Drittel der Gestürzten nach einem Bruch die frühere Beweglichkeit wiedererlangen. „Ein Fünftel verstirbt sogar an den Folgen des Sturzes.“

Sturzursachen können laut Oberärztin Bikker sein: Abnahme von Sehfähigkeit und Gehör, Beeinträchtigung des Gleichgewichtssinns durch Schwindel, verminderte Sensibilität in den Füßen, eine verlängerte Reaktionszeit sowie verminderte Muskelkraft. „Diese Faktoren können Sie nur bedingt vermeiden“, räumte Bikker ein. „Aber was Sie vermeiden können sind Stolperfallen zu Hause.“ Die Geriaterin zählte auf: Schlechte Beleuchtung, fehlende Handgriffe, ein zu hohes oder zu niedriges Bett, lose Teppiche, unsachgemäß verlegte Kabel oder ungeeignetes Schuhwerk. Auch bestimmte Medikamente wie Schlafmittel, Antidepressiva oder Bluthochdrucksenker könnten das Sturzrisiko erhöhen: „Denn sie verlangsamen die Reaktionszeit, wirken muskelentspannend oder vermindern die Durchblutung im Gehirn.“

Einen Test, der das eigene Sturzrisiko aufzeigt und gleichzeitig Kraft, Beweglichkeit und Gleichgewicht trainiert, machte die stellvertretende Leiterin der Physiotherapie am Klinikum Memmingen, Andrea Mynarek, mit den Zuhörern. Dabei versuchten die Anwesenden, mit geschlossenen Augen freihändig zu stehen, sich im Kreis zu drehen oder auf einem Bein zu stehen. „Durch solche Übungen können Sie ihre körperliche Leistungsfähigkeit einschätzen und gleichzeitig das Gleichgewicht trainieren“, unterstrich Mynarek.

Was man neben gymnastischen Übungen tun kann, um die Qualität des Knochens zu verbessern, erklärte der niedergelassene Orthopäde Dr. Joachim Geis: „Gezielte Ernährung mit Kalzium- und Vitamin-D-reichen Nahrungsmitteln.“ Darunter fallen laut Geis Milchprodukte und kalziumreiches Mineralwasser sowie Vitamin-D-reiche Nahrungsmittel wie grünes Gemüse, Kräuter oder fetter Fisch. Wenn allerdings bei einer Knochendichtemessung Osteoporose festgestellt werde, reiche eine „Osteoporose-freundliche Ernährung“, wie es der Orthopäde nennt, nicht mehr aus: „Hier gibt es dann Medikamente, die den Knochen wieder aufbauen können.“ Dabei ist es laut Geis erschreckend, wie wenige Menschen mit Osteoporose tatsächlich in Behandlung seien: „Dabei gehört Osteoporose laut der Weltgesundheitsorganisation zu den zehn großen Volkskrankheiten in Deutschland und mit jedem Bruch steigt das Risiko einen weiteren zu erleiden.“

Kommt es zu einem Sturz mit Knochenbruch, ist es laut Chefarzt Professor Dr. Christian Schinkel von der Klinik für Unfallchirurgie, Handchirurgie und Orthopädie am Klinikum Memmingen wichtig, dass rasch operiert wird: „Damit lange Liegezeiten vor der Operation vermieden werden können, die zu Immobilität beitragen.“ Durch minimal-invasive Techniken, also Schlüssellochtechniken, könne mit geringer Belastung für den Patienten häufig eine rasche Beweglichkeit wiederhergestellt werden. „Dabei ist es auch wichtig, dass Sie nach der Operation sofort wieder voll belasten.“ Damit keine lange Immobilität drohe. „Denn unser erklärtes Ziel ist es, Ihnen wieder ein eigenständiges Leben im gewohnten Umfeld zu ermöglichen.“

Unter dem Motto „Sturzlos glücklich“ bietet die Diakonie ab dem 8. Mai 2017 einen zehnstündigen Kurs zur Sturzvorbeugung im Memminger Caroline-Rheineck-Haus mit dem Ergotherapeuten Rolf Diefenthaler an. Mehr Informationen unter Telefon 08331/758-0 oder per E-Mail: empfang@diakonie-memmingen.de.

Text und Bild: Klinikum Memmingen

Orthopädie-Chefarzt Professor Dr. Christian Schinkel (Mitte) und die Leiterin der Geriatrie, Frauke Bikker (rechts), kümmern sich gemeinsam um die Rehabilitation älterer Patienten am Klinikum Memmingen. Sie werden dabei von einem multidisziplinären Behandlungsteam (im Hintergrund) unterstützt.         Foto: Koch
Orthopädie-Chefarzt Professor Dr. Christian Schinkel (Mitte) und die Leiterin der Geriatrie, Frauke Bikker (rechts), kümmern sich gemeinsam um die Rehabilitation älterer Patienten am Klinikum Memmingen. Sie werden dabei von einem multidisziplinären Behandlungsteam (im Hintergrund) unterstützt. Foto: Koch
 

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