Baumpflanzaktion 2018

16.05.2018

[Bad Wörishofen] Seit dem Jahr 1989 erweitert die Stadt Bad Wörishofen gemeinsam mit den Bayerischen Staatsforsten und dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten regelmäßig die Allee der Jahresbäume im Erholungswald der Kneippstadt um den jeweiligen „Baum des Jahres“. In diesem Jahr jährte sich die Aktion bereits zum 30. Mal.

Der Baum des Jahres wird alljährlich bundesweit von der „Baum des Jahres“-Stiftung ausgerufen. Meist sind es Baumarten, die in ihrem Bestand bedroht oder deren typische Lebensräume gefährdet sind – in diesem Jahr die Ess-Kastanie.

Alle Bäume, die seit Ende der 80er Jahre zum Baum des Jahres erkoren wurden, sind in der Kneippstadt Bad Wörishofen in der „Allee der Jahresbäume“ jeweils in kleinen Gruppen angepflanzt worden. Die Allee ist heute ein wichtiger Bestandteil des einmaligen Kneipp-Waldweges auf dem Gemeindegebiet der Stadt Bad Wörishofen.

Baumpflanzaktion mit vielen prominenten Gästen

Musikalisch auf die Aktion eingestimmt wurden die Gäste traditionell von den Buben und Mädchen des Kindergartens Gartenstadt, die passende Lieder für die Gäste der Baumpflanzaktion vorbereitet hatten.

Bad Wörishofens Erster Bürgermeister Paul Gruschka und Staatsminister a. D. Josef Miller, in seiner Funktion als Vorsitzender der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, begrüßten die Teilnehmer – darunter Dr. Stephan Winter, stv. Landrat in Vertretung für Landrat Hans-Joachim Weirather, Dr. Hermann S. Walter, Forstbetriebsleiter Bayerische Staatsforsten - Forstbetrieb Ottobeuren, Gerold Bittner, Revierleiter, Bayerische Staatsforsten - Forstbetrieb Ottobeuren, FOR Michael Esper (als Vertreter von Rainer Nützel vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Bereichsleiter Forsten), Robert Mecklinger LBV Vogellehrpfad, Friesenried, Ortsbäuerin Brigitte Huber, Bayerischer Bauernverband Ortsverband Bad Wörishofen, den Leiter der Städtischen Gartenbauabteilung Bad Wörishofen, Andreas Honner sowie Vertreter des Stadtrates, des Verschönerungsvereins und des Kur- und Tourismusbetriebes Bad Wörishofen. 

„Heute ist ein wichtiger Tag“, so Bad Wörishofens Erster Bürgermeister Paul Gruschka. „Zum 30. Mal pflanzen wir den Baum des Jahres in unserer Kneippstadt und ergänzen damit traditionell die Allee der Jahresbäume in unserem Erholungswald um eine neue Station“, so Gruschka weiter.

Schaukasten über Waldvögel als neue Station auf dem Kneipp-Waldweg vorgestellt.

Wie es guter Brauch ist, bereichert der Kur- und Tourismusbetrieb den Pflanzort des Baum des Jahres jeweils mit einer zusätzlichen Attraktion. Als neue Station auf dem Kneipp-Waldweg stellten Kurdirektorin Petra Nocker und Stadtgärtnermeister Andreas Honner einen Schaukasten über Waldvögel vor. Dieser soll auf das geplante Groß-Projekt „Naturerlebnisroute“ aufmerksam machen, das im kommenden Jahr 2019 in der Kneippstadt umgesetzt werden soll. In diesem ersten Schaukasten werden nun zunächst fünf verschiedene Vogelarten, darunter zum Beispiel Kleiber oder Buntspecht, anschaulich dargestellt. Über einen so genannten „TING-Stift“ kann man den Vogelgesang anhören

Der „Baum des Jahres 2018“ ist die Ess-Kastanie

Die Ess-Kastanie (Castanea sativa) ist der Baum des Jahres 2018 und ist in Deutschland – von wenigen regionalen Ausnahmen abgesehen – eine seltene Baumart, aber sie ist eine der eindrucksvollsten. Wer einmal ihre auffallend gelblichweiße Blütenpracht gesehen hat, die die gesamte Baumkrone im Frühsommer überzieht, wer einmal erlebt hat, wie im Oktober ihre großen, runden, mit unzähligen Stacheln besetzten Früchte herunterfallen, aufplatzen und die wunderschönen, mahagonibraun glänzenden Kastanien mit der zart behaarten weißen Spitze freigeben, der wird diesen Baum nicht mehr vergessen.

Wer heute Kastaniennüsse auf seinen Speiseplan setzt, der hat eher kulinarisches Beiwerk im Sinn. Der charakteristische Geschmack der fettarmen, stärkereichen und süßlichen Maronen eignet sich bestens, um einmal neue, ungewohnte Akzente bei Suppen, Beilagen oder Süßspeisen zu setzen. Für wohlhabende Menschen war die Kastanie schon seit der Antike eine willkommene und delikate Abwechslung in der herbstlichen Menüabfolge.

Doch – so schrieb schon der Botaniker Jacques Daléchamps aus Lyon Mitte des 16. Jahrhunderts: „Die Kastanie ist das Dessert für die Tafel der Reichen sowie das Fleisch für die Armen.“ Denn für große Teile der Bevölkerung, vor allem in den ländlichen kargen Bergregionen Südeuropas, wo der Anbau von Getreide unergiebig oder unmöglich war, war die Ess-Kastanie bis ins 19. Jahrhundert hinein das Hauptnahrungsmittel. Geröstet oder gekocht kam sie auf den Tisch. Zu Gries oder Mehl gemahlen, ließ sich daraus eine Art Polenta herstellen, Suppe kochen oder Brot backen. Gedörrte Kastanien und Kastanienmehl waren bis zu zwei Jahre haltbar. Wenn nach Missernten im Lande Hungersnot drohte, blieben die Kastanien aus den Bergen das einzige, oft lebensrettende Nahrungsmittel.

Viele der großen mediterranen Kastanienanbauflächen – im Tessin, in Ligurien, in den Cevennen oder auf Korsika – liegen heute brach. Es waren meist terrassierte Berghänge, locker bestanden mit Kastanienbäumen, unter denen Heu gemacht wurde, Ziegen und Schafe weiden konnten und – nach der Ernte – auch noch ein paar Schweine satt wurden. Doch Mais und Kartoffeln wurden mehr und mehr zu konkurrierenden Stärkelieferanten. Die großen Fortschritte in der landwirtschaftlichen Produktion im Laufe des 19. Jahrhunderts schwächten die wirtschaftliche Bedeutung des mühsamen Kastanienanbaus in den Bergen weiter.

Als dann auch noch eine die Wurzeln zerstörende Pilzkrankheit, die sogenannte Tintenkrankheit, große Lücken in die Kastanienhaine Südeuropas schlug, nahm das Interesse an der Kastanienwirtschaft weiter ab. Infolge der zunehmenden Landflucht im 20. Jahrhundert wurden dann fast alle noch bestehenden Kulturen aufgegeben. Viele dieser ehemaligen Kulturen sind aber nicht verschwunden, sondern inzwischen zu wunderschönen, aber meist nur noch touristisch genutzten Kastanienwäldern verwildert. Der heute größte zusammenhängende Kastanienwald Europas ist der Brentan. Er steht im Schweizer Graubünden an der Grenze zu Italien und wird in Teilen auch noch bewirtschaftet.


Text und BIld: Kur- und Tourismusbetrieb Bad Wörishofen, Cathrin Herd.

Stadtgärtnermeister Andreas Honner und Kurdirektorin Petra Nocker am Ort der Baumpflanzaktion zum „Baum des Jahres 2018“.  
Stadtgärtnermeister Andreas Honner und Kurdirektorin Petra Nocker am Ort der Baumpflanzaktion zum „Baum des Jahres 2018“.
Dr. Hermann S. Walter, Forstbetriebsleiter Bayerische Staatsforsten - Forstbetrieb Ottobeuren, beim Bäume pflanzen mit Buben und Mädchen des Kindergartens Gartenstadt.  
Dr. Hermann S. Walter, Forstbetriebsleiter Bayerische Staatsforsten - Forstbetrieb Ottobeuren, beim Bäume pflanzen mit Buben und Mädchen des Kindergartens Gartenstadt.
 

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